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Schulhund Emil

Hier können Sie den Erfahrungsbericht von Emils "Frauchen" lesen:

Wie ich zum Schulhund kam
Seit 2009 unterrichte ich Deutsch und Englisch am BIZ und im November 2011 zog Klein-Emil, ein 10 Wochen alter Boxermann, bei mir ein. Meine damals 9. Klasse – ein ziemlich lebhafter “Haufen” wollte den Welpen unbedingt mal sehen und so trug ich den Knirps in meinen Armen in das Klassenzimmer der 9c. Was sich in diesen 20 Minuten in dem Klassenzimmer abspielte, erstaunte mich: Aus 25 pubertierenden, teilweise undisziplinierten, lauten Jugendlichen wurden fürsorgliche zarte Hundeflüsterer, die aus Rücksicht auf das Boxerkind plötzlich leise, einfühlsam und äußerst liebevoll waren. Doch nicht nur das: stille, zurückhaltende Kinder öffneten sich, kamen mit mir und mit anderen ins Gespräch und ich lernte sie von einer anderen Seite kennen.
Von dieser Erfahrung beflügelt, “schwebte” ich in das Zimmer meiner Schulleiterin und berichtete von meiner Erfahrung. Meine Chefin, selbst Hundefreundin, ermutigte mich dazu, mich nach Fortbildungen und Ausbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich umzusehen und so entstand unser “Projekt Schulhund”. Als Emil knapp ein Jahr alt war, begann ich, ihn für einzelne Stunden in ausgewählte Klassen mitzunehmen. Parallel dazu absolvierten Emil und ich eine zweijährige Ausbildung zum Schulhund-Team. In dieser Ausbildung lernte ich viel über rechtliche Grundlagen, Stress- und Beschwichtigungssignale beim Hund, Hygiene, Anatomie des Hundes und vor allem, die Belastungsgrenze des Hundes zu erkennen um ihn nicht zu überfordern. Auch ein Erste Hilfe Kurs war Bestandteil der Ausbildung. Am Ende gab es eine schriftliche Prüfung und jeder Teilnehmer musste ein Video seines Hundes im Unterricht drehen, reflexieren und auswerten. Während der Seminare wurde unsere Teamarbeit und Emils Verhalten gegenüber anderen Menschen und in verschiedenen Situationen (z.B. Bei Lärm) genau beobachtet. Im Oktober 2014 erhielten wir unser (sehr gutes ;-)) Zeugnis, das jetzt das Sekretariat unserer Schule schmückt.
So viel zur Theorie – doch wie bewährte sich Emil im Schulalltag? Man muss betonen, dass ein “Schulhund” kein Hund ist, der nicht alleine zuhause bleiben möchte und deshalb mitkommt. Ein Schulhund ist ein mehr oder weniger aktiver Bestandteil des Unterrichts und es gibt bei seinem Einsatz einiges zu beachten. Wir mussten zunächst Genehmigungen einholen (von allen Eltern der betroffenen Kinder, von meinem Kollegium, von der Schulleitung und auch von der Schulkonferenz).
Emil braucht ein immer wieder aufgefrischtes Gesundheitszeugnis und meine Schulleiterin bat mich außerdem noch, die Begleithundeprüfung zu machen, was wir nebenher auch taten. Mein Job war es außerdem, geeignete Klassen auszusuchen und die Kinder auf Emils ersten Auftritt vorzubereiten.
Ängstliche Kinder teilten mir dies vorab mit, damit sie nicht gleich zu engen Kontakt mit meinem Hund haben mussten. Mit den Klassen wurden Regeln vereinbart, die zu beachten sind, wenn Emil da ist. Die Kinder dürfen ihn z.B. Nicht anbellen, nicht rennen, nicht rufen, nicht am Halsband festhalten, nicht mit den Stühlen schaukeln, sie dürfen ihn nur zu zweit und nie von hinten anfassen und müssen ihn in Ruhe lassen, wenn er in seinem Körbchen liegt. Bei Missachtung der Regeln gab/gibt es 2 Wochen Hundeentzug und das wirkt mehr als jede Strafarbeit. Insgesamt ist die Arbeit mit Hund im Klassenzimmer anstrengender als ohne – aber es lohnt sich. Wir haben so viele schöne Erfahrungen gemacht: Kinder mit Hundeangst wurden Emils beste Freunde, stille Kinder öffneten sich, Emils Anwesenheit kann für mündliche Abschlussprüfungen beantragt werden und so kann er die Prüflinge beruhigen. Kinder mit Schulangst kamen wieder gerne – wegen Emil. Die Elternbriefe kommen immer schneller unterschrieben zurück als jeder andere Elternbrief und die “Hundedienste” (Wasserdienst, Häuschendienst, Sabberbeauftragter) sind deutlich schneller verteilt als der Klassenbuchdienst.
Nun fragt ihr euch sicher, was der Hund denn eigentlich tut? Emil ist in erster Linie nur da. Er läuft durch das Klassenzimmer und legt seine Boxerschnute auf den Schoß der Kinder. Manchmal führen die Kinder (eher die jüngeren) Tricks mit ihm vor – das schult den eigenen verbalen Ausdruck und auch die Körperhaltung. Wir bauen manchmal einen Agility-Parcours aus Schülern oder die Kinder setzen sich einfach zu Emil auf den Boden um zu lesen. Mittlerweile arbeite ich seit 3 Jahren mit Emil in der Schule und ich bin immer wieder verblüfft, welchen Effekt er auf die Atmosphäre im Klassenzimmer hat. Mittlerweile gibt es auch einige Studien, die zeigen, dass die Anwesenheit von Hunden den Cortisolspiegel im Blut sinken lässt und damit dem Stressabbau dient (DACH-Studie).

Emil und ich waren hier schon ein paarmal in der lokalen Presse und unser Projekt wird an unserer Schule sehr wertgeschätzt, was mich sehr freut. So schön die hundegestützte Arbeit an Schulen auch ist, eines ist mir sehr wichtig: Weniger ist mehr. Die Arbeit mit Menschen ist für Hunde anstrengend – ich selbst würde meinen Hund nie länger als 2-3 Stunden am Stück mit in eine Klasse nehmen und maximal 3mal pro Woche. Nach Schultagen ist Emil „platt“ und braucht Pause und dies sollte man unbedingt beachten. Dann ist dies eine Sache, die für alle Beteiligten, auch für den Hund, ein Gewinn ist.

Im Schuljahr 17/18 ist Emil in den Klassen 9c und 10c regelmäßig anwesend und im Ganztag gibt es unter der Leitung von Frau Siegmund eine Hunde-AG.

Inzwischen ist Emil nicht mehr alleine unterwegs. Sein Frauchen hat nun zwei vierbeinige Begleiter. So befindet sich sein bester Freund Otto gerade in Ausbildung zum Schulhund und macht seine Sache bereits mit Bravour.